Hörst du wirklich zu und hören andere dir zu?

Im letzten Blogpost habe ich über Ablenkung und die Schwierigkeit der Fokussierung geschrieben. Viele haben mir zurückgeschrieben, dass es ihnen derzeit ähnlich geht. Dass es gerade jetzt in diesen turbulenten Zeiten besonders problematisch ist, bei einer bestimmten Sache hochkonzentriert zu bleiben.

Sehr verwandt mit diesem Thema ist das Zuhören können. Mir fällt auf, dass es mir speziell in Videokonferenzen immer schwerer fällt, einem Sprecher / einer Sprecherin länger als 5-7 Minuten konzentriert zuzuhören. Das ist allerdings auch dem Medium geschuldet, denn gerade bei Videogesprächen wird man noch schneller müde, nicht zuletzt durch die ständige Selbstkontrolle des eigenen Übertragungsbildes. Das ist auch querbeet so. Aktuelle Untersuchungen zeigen tatsächlich auf, dass bei Videokonferenzen das eigene Bild am meisten angesehen wird. Also wie soll man da zu einem wirklich guten Zuhörer werden?

Gerade auch in meinem Job ist es sehr wichtig zuhören zu können. Die Basis von gutem Storytelling ist bekannterweise Storylistening. Auch aus der täglichen Praxis als Kommunikationsmanager gilt es mehr ein Trainer und Coach zu sein, mehr zuhören und unser eigenes „Beratungsmonster“ unter Kontrolle halten zu können. Oder auch in umgekehrter Weise herauszufinden: woher wissen wir, dass wir gehört werden, wenn wir sprechen?

„Hörst Du mir überhaupt zu?“

Wir wundern uns im täglichen Austausch mit anderen, wenn unsere Gesprächspartner nicht immer so antworten oder schon gar nicht das tun, was wir eigentlich von ihnen erwartet haben, – was unweigerlich zur Frage führt, ob sie wirklich zugehört haben oder nicht.

In dem lesenswerten Artikel 8 Ways To Tell If Someone’s Really Listening Or Not sind einige Möglichkeiten beschrieben, wie Sie feststellen können, ob jemand Ihnen wirklich zuhört oder nicht, und auch einige Vorschläge, wie Sie beim Sprechen die volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen können, um das aus dem Gespräch zu bekommen, was Sie brauchen. Umgekehrt kann einem auch klar werden, wie viele dieser Punkte von uns selbst missachtet werden, wenn wir zu anderen sprechen.

Hier meine Top 6 aus diesem Artikel:

STÄNDIGE ABLENKUNGEN

Das Gespräch wird immer wieder unterbrochen, damit eine kurze E-Mail gesendet oder ein kurzer Anruf getätigt werden kann. Auf diese Weise können Sie feststellen, ob jemand wirklich zuhört oder nicht. Wenn die Person, mit der Sie sprechen, die Ablenkungen für Sie nicht beseitigen kann, bitten Sie sie, Ihnen fünf ununterbrochene Minuten ihrer Zeit zu geben.

SIE UNTERBRECHEN IHREN SPRECHFLUSS

Wenn jemand wirklich zuhört, sollte er in der Lage sein, seine Kommentare für ein oder zwei Minuten lang bei sich zu behalten, bevor er zum Sprechen anhebt. Wenn die Person, mit der Sie ein Gespräch führen, nicht aufhören kann, Sie zu unterbrechen, ist dies ein Zeichen dafür, dass sie nicht wirklich hört, was Sie sagen.

SIE FÜHLEN SICH NACH DEM GESPRÄCH NICHT GUT

In einer ähnlichen Weise können wir uns unbeachtet und nicht gut behandelt fühlen, wenn jemand uns nicht vollständig zuhört. Wenn Sie aus einem Gespräch gehen und nachher das Gefühl haben, dass die andere Person das Gespräch dominiert hat oder nur ihre eigenen Bedenken angesprochen hat, wurden Sie wahrscheinlich nicht angehört.

DIE ÜBERREAKTION MIT VERTEIDIGENDEN EMOTIONEN

Michael Nichols, Autor von „The Lost Art of Listening: How Learning To Listen Can Improve Relationships„, sagt, dass wir nicht nur manchmal nur das hören, was wir hören wollen, sondern manches mal auch das Gegenteil. In antagonistischen Beziehungen, in denen ein Kollege möglicherweise ein Argumentationsmuster hat, sind beide gleichermaßen daran beteiligt, nur die negativen Worte zu hören, die der andere Kollege sagt.

Wenn Ihr Kollege aufgrund Ihrer Aussagen übermäßig verärgert ist, ist das vermutlich auch ein Zeichen, dass er nicht wirklich zuhört. Ihr Kollege war möglicherweise bereits verärgert, als Sie zu sprechen begonnen haben, sodass seine negative Emotion möglicherweise als Filter fungierte, um nur die negativen Punkte von Ihnen zu hören und sich selbst in dieser negativen Emotion zu halten.

ANDERE ENTSCHEIDEN, ÜBER WAS GESPROCHEN WIRD

Jemand mit einer eigenen Agenda wird den Ablauf Ihrer Konversation versuchen zu lenken, um sicherzustellen, dass er über das sprechen kann, worüber er sprechen möchte.

Michael Nichols meint dazu, dass Menschen mit einer eigenen Agenda uns nicht nur nicht zuhören, sondern geradezu selbstsüchtig zuhören, um selbst im Gespräch oder in der Diskussion recht zu behalten. Als gute Zuhörer sollten wir möglichst alles loslassen, was uns beschäftigt, und der anderen Person vollständig zuhören

STELLEN SIE EINE FRAGE ÜBER DAS GERADE GESAGTE

Wenn jemand wirklich zuhört, sollte er oder sie in der Lage sein, ein paar gezielte Fragen über das beantworten zu können, was Sie gerade gesagt haben. Fragen wie etwa „Was halten Sie von dem, was ich gesagt habe?“ können bereits einen kleinen Einblick über das Maß ihrer Aufmerksamkeit geben. Wenn derjenige nicht zugehört hat, gibt er Ihnen wahrscheinlich eine vage Antwort wie „Klingt gut“. An dieser Stelle können Sie erklären, dass Sie nach seiner Meinung zu dem bestimmten Thema gefragt haben. Es ist auch völlig legitim, dem Gesprächspartner zu sagen, wie Sie sich fühlen, indem Sie beispielsweise sagen, dass sein mangelndes Zuhören bei Ihnen als Geringschätzung oder Gleichgültigkeit ankommt, und sie bitten, sich bitte auf Sie zu konzentrieren.

Welche Hör- und Aufmerksamkeitspraktiken funktionieren für Sie gut? Ich freue mich über jeden Kommentar.


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