Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann

Computer haben unendlich viel Zeit. Wir Menschen nicht. Diesem Antagonismus ist nicht leicht zu entkommen.

Jede Minute werden auf Youtube Millionen von Stunden an Videos produziert. Das Angebot der Filmeplattformen wie Netflix, Amazon, Disney, Apple & Co übersteigt meine dafür verfügbare Zeit schon längst bei weitem. Und dabei habe ich nur zwei von diesen Diensten abonniert. Und intelligente Algorithmen erstellen inzwischen schon automatisch Berge an contents, ohne dass dabei noch ein Mensch involviert sein müsste. Stichwort AI generated content, also von Software automatisiert erstellte Inhalte. Ein Thema, an dem auch der Journalismus immer mehr kiefelt.

Denn das Dilemma ist hier, dass wir Menschen nur begrenzte Aufnahmekapazitäten für Kommunikation, Lernangebote, Unterhaltung usw. haben. Und das ist gut so. Es zwingt uns damit auch immer stärker zur Auswahl und zur Entscheidung. Zu etwas bewusst Ja zu sagen und auch etwas klar zu verneinen.

Nicht ganz so selbstbestimmt ist es im beruflichen Umfeld. Da kommt schnell mal etwas „mandatory“ daher, wie etwa „mandatory trainings“, die als keinen Widerspruch duldendes Lernangebot je nach Rolle schon mal über 100 Stunden Zeit im Jahr kosten können.

Data & AI – Der Mensch irgendwo dazwischen

Viele dieser Inhalte sind inzwischen künstlich generiert, beispielsweise folienbasierte Videos, zu denen eine Sprachintelligenz das Voice-Over dazu liefert. Also eine Art PowerPoint mit Ton dazu. Die Inhalte sind also billig zu erstellen und werden an Tausende von Mitarbeitern gleichzeitig ausgeliefert. Wieviel Zeitaufwand das bei der einzelnen Mitarbeiterin und in ganzen Teams und Organisationsebenen verursacht, bleibt vielfach auf der Verursacherseite ausgeblendet.

Ich sehe das von der Tendenz her kritisch. Maschinell erzeugte Inhalte in potenziell unendlichem Ausmaß werden da organisatorisch an Menschen mit sehr begrenzten Zeit- und Aufnahmeressourcen gespielt, denen die einzelne aufgrund fehlender Wahlfreiheit kaum entkommt.

Verschärft wird das dann noch, wenn diese Pflichttrainings auch noch elend langweilig gemacht sind, mit Beispielen die geografisch wie kulturell irrelevant sind. Also wenn schon zwangsbeglücken, dann doch wenigstens etwas unterhaltsamer, bitte!


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