Habemus Petra

Viele Monate blieben die Rauchsäulen über den Dächern der Microsoft Europazentrale schwarz. Bis sich endlich kurz vor dem Jahreswechsel die ersehnten weissen Rauchwolken einstellten und den neuen Geschäftsführer von Microsoft Österreich ankündigten. Erfreulich überraschend habe ich damit eine neue Chefin bekommen, was gerade in der IT Branche (mit ca. 15% durchschnittlichen Frauenanteil) nicht unbedingt als gewöhnlich angesehen werden kann.

Zeitgleich mit der internen Ankündigung haben wir auch die Presse informiert und die Nachricht wurde von den Medien umgehend sehr positiv aufgenommen. Der hohe Nachrichtenwert ließ sich auch umgehend an der Anzahl der  eingehenden Interviewanfragen messen; meiner Schätzung nach deutlich höher als bei den männlichen Vorgängern.

clip_image001Wie gesagt, aufgrund der Marktgegebenheiten nicht sonderlich überraschend aber auch eine Steilvorlage, weil Frauen in der IT-Welt im allgemeinen und in den Top-Führungsetagen im speziellen eben noch lange nicht „common sense“ sind. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass Frauen in Top-Positionen oft darüber erzählen, wie viel mehr Leistung sie im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen bringen mussten, um ihren Weg gehen zu können.

Und weil das nicht gerecht ist, wird dann auch mal schnell der Ruf nach einer Quote laut und auf den Erfolg in skandinavischen Ländern wie Norwegen verwiesen, wie es erst kürzlich die neue Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (die übrigens nur zwei Gassen weiter von mir in Guntramsdorf wohnt) tat.

Ich habe mich allerdings erst kürzlich in einem Interview dazu dagegen ausgesprochen, da ich finde, dass es in der Besetzung von Stellen primär auf Qualifikation und Persönlichkeit ankommen und nicht das Geschlecht zum entscheidenden Kriterium werden sollte. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen zwar, dass eine verbindliche Quote über einen bestimmten Zeitraum ein politisches Werkzeug sein kann, welches dabei hilft Türen zu öffnen, Situationen zu überbrücken und eine erwünschte Dynamik am Markt zu erzeugen. Als Dauerlösung kann ich einer Quote jedoch nicht viel abgewinnen, weil sie mehr beim Symptom als bei der Ursache ansetzt. Das Handlungsfeld für die Politik sollte in diesem Bereich viel früher ansetzen, bereits in der Vorschulpädagogik, in der Prägung von weiblichen Berufsbildern in der Grund- und Mittelschule und in der mangelnden Technikbegeisterung von jungen Frauen.

Und genau in diesem Zusammenhang stellt die weibliche Besetzung einer Spitzenposition ein wichtiges Signal dar. Einen wichtigen Faktor – neben unzureichenden Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie -stellen nicht zuletzt die fehlenden Rollenvorbilder für junge Frauen dar. Die Attraktivität der IT Branche und generell von techniknahen Berufsfeldern ist für junge Mädchen nach wie vor sehr gering. Und das führt im weiteren zum dauerhaften Mangel an gut ausgebildeten weiblichen Spitzenkräften mit einschlägiger Berufserfahrung, die man so gerne in den Management-Etagen sehen würde.

Daher wünsche ich der IT Branche noch viele weitere Petras, die unserer Geschäftsführerin gerne nachfolgen möchten und sich bereits innerhalb ihrer Schullaufbahn für ein techniknahes Berufsfeld begeistern lassen.

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