Blut von der Drohne

Ein wirklich herausragender Vortrag auf der WIRED25 war der von Keller Rinaudo, Mitbetgründer und CEO von Zipline. 

Nicht, dass ich schon jemals von ihm oder seinem Unternehmen gehört hätte. Umso überraschter war ich nicht nur von ihm als hervorragenden Sprecher sondern vor allem von seiner innovativen Geschäftsidee, die dazu angetreten ist, weite Teile des globalen Logistikgeschäfts zu revolutionieren.

Den Anfang nimmt die Geschichte hingegen in Ruanda. Die zum Großteil ländlichen Gegeneden in diesem ostafrikanischen Land sind medizinisch hoffnungslos unterversorgt. Was vor allem an der schlechten Zugänglichkeit der Gesundheitseinrichtungen liegt, schlechte bis gar nicht vorhandene Straßen, kaum sonstige Verkehrsinfrastruktur, die dringend benötigte Medikamente oder Blutkonserven für den Notfall transportieren könnten. Da versinkt ein Transport auf der Straße schon mal im Schlamm und ein Mensch muss deswegen sterben.

Zipline

 

Was Zipline dort auf die Beine gestellt hat, ist auf seine Weise genial, da es innovative Technologie mit den Gegebenheiten von schmalen Ressourcen verbindet. Gleichzeitig ist es beispielgebend für viele weitere Länder der Welt und dem logistischen Bedarf von Milliarden von Menschen auf diesem Globus. 

Dabei werden autonom gesteuerte Drohnenflugzeuge verwendet, die selbständig Pakete (im unten verlinkten Video gezeigten Fall Blutkonserven) zu weit entlegenen Krankenstationen transportiert, von einem Katapult weg startet, selbständig zum Zielort navigiert, dort sehr präzise auf wenige Meter genau per Fallschirm auf dem Vorplatz abliefert und nach dem Rückweg ebenso präzise von einer sehr effektiven „Landevorrichtung“ unversehrt auf den Boden gebracht wird.

Dass in diesem Fall die Anwendung von innovativer Technologie Tausende von Menschenleben rettet, ist für sich alleine grandios. Aber dass diese Logistikidee weit mehr Phantasie hat, liegt auch auf der Hand. Als CEO von FedEx würde ich mir wohl ernsthaft eine Beteiligung oder den Kauf von Zipline überlegen.

Hier das Video zu dieser genialen Geschichte:
 Zipline2

 

Amazon Alexa gibt es ab sofort auch für Windows 10

Wie ich gerade auf Caschys Blog lesen konnte, können ab heute Windows 10-User die kostenlose Alexa for PC-App aus dem Windows Store auf ihre kompatiblen Geräte herunterladen. Dadurch erhalten sie Zugriff auf zahlreiche Fähigkeiten von Amazon Alexa (bzw. Amazon Echo, wie ich sie beispielsweise bei mir daheim genannt habe), ohne dafür zusätzliche Hardware zu benötigen.

Auf einen Klick lassen sich dann per Sprachbefehl beispielsweise Endgeräte im Smart Home steuern, Fragen stellen, Timer und Wecker aktivieren, Kalender verwalten oder auf tausende Skills zugreifen.

Anfang nächstes Jahres werden zusätzliche Features folgen, über die Anwender nativ mit ihrem PC interagieren können. Alexa lernt dabei ständig dazu, so dass konstant weitere Updates folgen werden.

Im Original-Beipacktext liest sich das dann so:

Mit Alexa auf Ihrem PC können Sie sich Ihr Leben erleichtern und mithilfe Ihrer Stimme mehr schaffen. Mit einem Klick können Sie Alexa bitten, Ihren Kalender abzufragen, Listen anzulegen, Musik abzuspielen, Fragen zu beantworten, Nachrichten zu hören und vieles mehr. Mit Alexa auf Ihrem PC können Sie sogar auf einfache Weise Ihr Smart Home von überall aus steuern, alleine mit Ihrer Stimme. Egal ob Sie daheim sind oder unterwegs, Alexa macht Ihr Leben einfacher.

Zum Ausprobieren:

– „Alexa, was steht heute auf meiner Agenda?“

– „Alexa, erzähl mir eine Geschichte.“

– „Alexa, schalte das Licht ein.“

– „Alexa, wie ist das Wetter in Wien?“

Im Hier und Jetzt

Wie lange bleibt eine Arbeits-E-Mail im Durchschnitt ungelesen? Was würden Sie sagen? 5 Minuten? 30? 1 Stunde?

6 Sekunden. Im Durchschnitt bleiben 70 Prozent der E-Mails, die die Arbeit betreffen, 6 Sekunden lang ungelesen.

Unsere ständige Erreichbarkeit nimmt uns einen großen Teil unserer Entspannung und täglichen Auszeit, denn E-Mails und Anrufe können auch nach Feierabend jederzeit mit ein paar Klicks beantwortet werden. Das Wort „Abschalten“ verliert immer mehr an Bedeutung – sei es für Sie selbst oder für Ihr Mobiltelefon. Manche Menschen entwickeln sogar eine richtige Angst davor, nicht erreichbar zu sein. Mittlerweile gibt es dafür sogar einen Begriff: Die Nomophobie – die Angst vor der Unerreichbarkeit.

Was können wir tun, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen und aufhören, ständig auf unser Telefon zu starren und es alle paar Minuten zu checken, ob wir eh nicht eine besonders wichtige Nachricht verpasst haben? 

Wie man aufhört sein Telefon zu checken:

  1. Sagen Sie ich „will“ und nicht ich muss“
    So wie Sie auf Ihre körperliche Hygiene achten, sollten Sie auch auf Ihre gedankliche Hygiene achten. In Studien wurde festgestellt, dass Frauen, die ein Ziel im Fitnesscenter erreichen wollten um 80 Prozent bessere Ergebnisse erzielten, wenn Sie sagten „Ich will dieses Workout nicht verpassen“ anstatt „Ich muss dieses Workout machen“.
  2. Distanz schaffen
    Wenn Sie Ihr Telefon nicht unbedingt benötigen, dann legen Sie es weg. Am besten an einen Ort, an dem es gut erreichbar aber aus dem Sinn ist, wie beispielsweise Frankreich. Spaß beiseite. Wann immer Sie Ihr Handy entbehren können, legen Sie es in ein anderes Zimmer oder auf die andere Seite des Zimmers. Wenn Sie es nicht in Griffweite haben, ist es leichter nicht daran zu denken, was Sie eventuell gerade verpassen könnten.
  3. Verwenden Sie eine „Stopp-Regel“
    Haben Sie schon mal gesagt „Ich schau nur schnell…“ – und dann ist eine Stunde vergangen? (Nein, Sie haben nicht das Zeitreisen entdeckt.)
    Sie schauen Ihre Emails an, auf Facebook, Twitter und Instagram… und nach dem Sie das alles getan haben, ist es Zeit ihre Emails, Facebook, Twitter und Instagram nochmals zu überprüfen. Sie nennen es vielleicht „Ihren Platz der Freude“. Forscher nennen es „Ludic loop“ (lächerlicher Kreislauf) Es ist das Prinzip wie Spielautomaten funktionieren. Stellen Sie sich einen Countdown-Timer und beenden Sie das „schnell schauen“ nach der eingestellten Zeit. Treffen Sie klare Aussagen „Ich schaue nicht mehr als zwei Episoden einer Serie hintereinander.“
  4. Sie brechen keine Gewohnheiten. Sie ersetzen diese.
    Wenn Sie auf der Couch sitzen, legen Sie ihr Telefon weit weg und ein Buch in Reichweite. Sie ersetzen so eine gute Angewohnheit für die schlechte.  Jedes Mal, wenn Sie Instagram und Co nutzen deinstalieren Sie es danach wieder. Ihre Kindle-App sollten Sie prominent am Smartphone platzieren.
  5. Dr. Jekyll, bereiten Sie sich auf Mr. Hyde vor
    Sie kennen die Geschichte? Der Hauptcharakter weiß, dass er sich in ein Monster verwandelt und kettet sich im Keller an. Auf diese Weise kann er niemandem schaden. (Ja, Sie sind der Held UND das Monster in dieser Geschichte)
    Wenn Sie im Vorhinein bei einem Problem kluge Entscheidungen treffen, stellen Sie sicher, dass Sie nichts Dummes tun. Wenn Sie bei Freunden zum Abendessen sind, lassen Sie Ihr Smartphone in der Jackentasche an der Garderobe. Sie werden so nicht alle fünf Minuten aufstehen und auf das Display starren.

 

Gelesen auf: http://www.lounge.fm/2018/10/04/wie-man-aufhoert-sein-telefon-zu-checken/Von Kristin Natalie Urbanek am 4. Oktober 2018

Vom Enkeltrick zum Tech Support Scam – gerade die Jüngeren werden Opfer von Internetbetrug

Das Böse schläft nie. Und jeden Tag steht ein Leichtgläubiger auf. Das sind die wichtigsten Ingredienzien für den erfolgreichen Internetbetrug via Telefon, E-Mail oder Chat.

Nicht ganz so alt wie das Hoaxmail, der Kettenbrief, wie etwa der mit dem nigerianischen Prinzen, der eine Provision für das Außerlandesschaffen seiner Goldschätze verspricht, sind die betrügerischen Anrufe vermeintlicher Support Mitarbeiter bei gutgläubigen PC Anwendern mit Internetanschluß.

Wie die Betrugsmasche meist abläuft habe ich in meinem Blogpost „Wenn der Support Mann zweimal klingelt“ beschrieben.

Eine neue Studie von Microsoft, die weltweit in 16 Ländern durchgeführt wurde, hat diese Form des Internetbetrugs nun etwas näher untersucht. Immerhin drei von fünf Anwendern haben schon mal einen derartigen Betrugsversuch erlebt. Und einer von fünf hat dabei auch schon Geld an die Betrüger verloren.

Das interessanteste Resultat der Studie ist hingegen, dass die gefährdetste Gruppe nicht etwa die Alten sondern die Jungen sind. Die sogenannte „Generation Z“, die Millenials und hier vor allem Männer haben das höchste Risiko, von Trickbetrügern ausgenommen zu werden.

Der Grund dafür liegt am zu hohen Selbstvertrauen in die eigene Technologiekompetenz und das damit verbundene zu hohe trügerische Sicherheitsgefühl, das speziell junge Männer den Trickbetrügern auf den Leim gehen lässt. Denn bei den Betrugsmaschen geht es nicht primär um Technologie sondern vielmehr um die geschickte Anwendung von social engineering. Und da dürften die älteren Generationen dann doch noch vorsichtiger agieren als die Jungen.

Mehr dazu, Typologien der Betrugsmaschen, Tipps für das sichere Verhalten und der Link zur gesamten Studie im entsprechenden Artikel des österreichischen Microsoft Newscenter.

 

Medienberichte dazu: 

Salzburger Nachrichten: Studie – Millenials sind leichte Beute für Computer-Betrüger

Futurezone: Millenials fallen öfter auf Internetbetrug herein als Senioren

Krone.at: Supporbetrug – Jüngere besonders häufig betroffen

The Good, The Bad and The Ugly – die vielen Gesichter der Künstlichen Intelligenz

A woman walks through a field for The Yield.

Microsoft hat vor wenigen Tagen ein AI Programm für humanitäre Zwecke angekündigt. AI steht hier für „Artificial Intelligene“, auf deutsch „Künstliche Intelligenz“. Das auf der Kundenmesse „Ignite“ vorgestellte neue Programm zielt darauf ab, die Technologie für Katastrophenhilfe, den Schutz von Kindern sowie für Flüchtlinge und Vertriebene einzusetzen. Das 40 Millionen Dollar-Programm wird in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Non-Profit- und humanitären Organisationen in die Fläche gebracht.  Das Ganze ist in einem noch größeren Programm untergebracht, das sich „AI for Good“ nennt.

Das legt nahe, dass sich AI auch für andere als gute Zwecke einsetzen lässt.

Und so ist es auch. AI ist keine Technologie für einen bestimmten Zweck sondern vielmehr eine „multi-purpose technology“, kann also in jedem Bereich zum Einsatz kommen. Was auch bereits geschieht, in der privaten Lebenswelt, der Arbeitswelt, der Wissenschaft, dem Militär, einfach überall. Und wie es halt so ist mit Technologien, ob sie für das Gute oder das Böse eingesetzt werden, liegt alleine am Menschen. Übrigens auch, ob und wie sich AI gegen die Interessen des Menschen wenden kann, wird ausschließlich von Menschen bestimmt. Wir sind da an einem interessanten und auch kritisch-wichtigen Punkt in der Entwickung von AI angelangt.

Vieles, was man heute über AI in den Zeitungen liest, ist meist in die Zukunft gerichtet und lässt vermuten, dass hier ein Tsunami in Zeitlupe auf uns zukommt, der je nach Lesart entweder in eine Art Endkampf zwischen Mensch und Roboter münden wird, der die vielbeschworene „Singularität“ Wirklichkeit werden lässt, also eine Art Super-Intelligenz, die dem Menschen so weit überlegen ist, dass eh schon alles zu spät ist oder aber zumindestens die Hälfte der Menschheit arbeitslos machen wird. Das meiste daran ist nicht nur phantasievoll sondern auch überzogen und überhöht. Aber dazu später.

Tatsache ist jedoch, dass AI nicht im Kommen ist – da sind wir uns ja alle irgendwie einig – sondern vielmehr schon längst da ist. Hier zwei Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung.

Bessere Musik und weniger E-Mails!

Nutzen Sie gerne Spotify? Wundern Sie sich vielleicht, dass die Musikvorschläge des Onlinedienstes mit der Zeit immer besser Ihrem Musikgeschmack entsprechen? Ja. genau. Das ist bereits AI in bester Aktion. Jeder Song, den Sie hören, trägt dazu bei, dass das System sich unsere Vorlieben merkt und dazulernt, was uns noch gefallen könnte. Dabei werden auch die Musiklisten anderer Anwender herangezogen und was dem einen Latin-Jazz Liebhaber gefällt, wird vielleicht auch dem anderen gefallen, der einen ähnlichen Musikgeschmack hat. Das System lernt daher nicht nur aus ihrer eigenen Auswahl, sondern auch von der anderer. Ich finde das ziemlich genial und freue mich ehrlich gesagt im Fitness-Studio oder beim Laufen immer wieder über neue Songs, die mir Spotify in meinen wöchentlichen Mixtapes vorschlägt. Wie das Spotify macht, wird in den Artikeln „How Does Spotifiy Knows You So Well“ und in „The magic that makes Spotify’s Discover Weekly playlists so damn good“ sehr gut beschrieben.  

Ein anderes sehr alltagstaugliches Beispiele für AI ist für mich der Posteingang mit Relevanz, der Nachfolger des „Clutter“ Funktion in Outlook. Ich nutze das nun bereits seit über einem Jahr und bin schlichtweg begeistert. Während die Trefferquoten des Vorgängerdienstes Clutter noch ziemlich zu wünschen überließen und immer wieder auch wichtige Post im Clutterordner landete, erlöst mich der inzwischen in Office 365 / Outlook.com flächendeckend verfügbare Posteingang mit Relevanz vom Lesen mehrerer hundert Mails pro Woche. Ein extremer Zeit- und Produktivitätsgewinn für mich. Dank AI. Hier gibt´s für Interessierte auch ein kurzes Erklärvideo dazu.

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Auch auf dem Smartphone benutzen Sie vermutlich bereits AI. Wenn Sie etwas in Google oder Bing suchen, machen Sie das bereits in einer hochentwickelten AI Engine. Oder sie nutzen vielleicht die Speech-to-Text-Funktion, da Ihnen das Tippen zu mühsam ist? Aber auch wenn Sie tippen, antizipiert die künstliche Intelligenz Ihres Handies bereits ex-ante, welches Wort als nächstes ideal passen würde, da der Gesamtzusammenhang eines Satzes und auch mehrer Sätze bereits im Hintergrund analysiert wird.

Ihre persönliche Internet Filterblase wird mit AI Technologie erzeugt

Das waren jetzt alles schöne Beispiele für „AI for Good“ – und es gibt noch viel mehr davon, AI für bessere Krebs-Früherkennung, AI für besseres Bier u.v.m., allerdings gibt es auch Formen der AI Anwendung, die weit kontroversieller beurteilt werden können. Etwa die AI, die dafür verantwortlich ist, dass Sie beim Surfen und Ansehen von Inhalten in Facebook, Instagram & Co immer stärker in einer sog. „Filterblase“ eingefangen werden, die bereits durch das Surfen im Internet, das Suchen in der Google Suchmaschine, mit Cookies und mit Likes, Shares und Kommentaren einen Comfort-Tunnel für Sie erschafft, der Ihre Welt zwar einengt, aber attraktiver macht. Denn die Wände des Tunnels sind dekoriert mit den Angeboten, die Ihrem Gehirn besonders attraktiv erscheinen (Danke an Michael Bartz für das schöne Sprachbild).

Das Problem mit dieser Form von AI ist halt, dass der durchschnittliche Anwender sich dem kaum entziehen kann. Hier heißt es, zumindestens das Bewusstsein zu behalten, dass es eine AI Welt ist. Mein lieber Ex-Kollege Michael Bartz spricht hier in diesem Zusammenhang davon, eine Art siebten Sinn für AI und seine Konsequenzen zu entwickeln, ein siebter Sinn für die digitale Welt von heute um im Sinne von Kant der „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ zu entkommen. Dieser Sinn oder zumindestens das Wissen darum wird eine wichtige Komponente sein, um AI zum „Human Enhancement“ zu machen, also einer mächtigen Erweiterung der Fähigkeiten des Menschen, die Welt in der er lebt zu erfahren, zu begreifen und beurteilen zu können.

The Computer Says No!

Und wenn wir noch weiter in die Abgründe des Menschseins blicken, finden sich natürlich auch die dazu passenden Anwendungsbeispiele der AI. Wie etwa in der Militärtechnik, wo fliegende Drohnen mutmassliche Feinde über einen Algorithmus gesteuert auswählen und automatisiert töten könnten. Oder in Diktaturen, wo AI dabei helfen kann, potentielle Staatsfeinde aufgrund ihrer social media Aktivitäten zu identifizeren. Oder nicht gar so abgründig: Intelligente Algortithmen, die bei Versicherungen und Banken automatisch darüber entscheiden, ob Sie einen Vertrag bzw. Kredit bekommen oder nicht. Besonders perfide wäre es, wenn das nicht transparent passiert und Sie niemals erfahren, warum sie nicht zum Zug gekommen sind.

Das bringt uns endgültig auf das Feld der Ethik. Ein sehr weites Feld. Und eine sehr weite Diskussion, da es nicht nur einfach eine Ethik auf dieser Welt gibt. Was in Asien ethisch vertretbar ist, muss es nicht zwangsläufig auch in den USA oder in Europa sein.

Als Forscher des MIT 2014 Media Lab ihre Moral Machine ins Netz stellten, hätten sie wahrscheinlich nie gedacht, dass das Experiment zu einer der weltweit größten Informationsquellen über ethische und moralische Wertvorstellungen werden würde. Sie wollten schlicht eine spielerische Plattform schaffen, auf der Menschen erleben können, welche Entscheidungen bei der Programmierung selbstfahrender Autos möglichweise eine Rolle spielen.

Vier Jahre nach dem Start der Moral Machine haben Millionen von Menschen in 233 Ländern mehr als 40 Millionen Einzelentscheidungen getroffen. Diese Daten wurden jetzt ausgewertet und ergeben deutliche regionale Unterschiede, so ein Bericht der MIT Technology Review. So würden Chinesen im Extremfall eher das Leben der Passagiere, Japaner eher das der Fußgänger schützen. Europäer würden eher junge Menschen, Asiaten eher ältere Menschen retten. Die Autoren der Studie betonen allerdings, dass die Ergebnisse nicht als Vorlage für eine Regulierung von KI dienen sollen, sondern vor allem zu weiteren Diskussionen über die Ethik von KI auch über selbstfahrende Autos hinaus anregen sollen. Die Moral Machine ist jedenfalls weiterhin online. Ein Selbstversuch konfrontiert uns vor allem mit unseren ganz persönlichen moralischen Werten.

Trotzdem gibt es so etwas wie eine universelle Ethik des Menschen, unabhängig von Kulturen und Traditionen. Und die muss die Richtschnur sein für das, was der Mensch mit seinem Werkzeug AI anstellen darf und was nicht. Aber auch unter welchen Bedingungen das passiert – beispielsweise volle Transparenz derartiger Robot-Dienste zum Menschen hin. Das ist auch das, was Microsoft unter „Democratizing AI“ versteht und versucht, mit anderen großen AI Anbietern der Welt wie Google, Facebook oder Amazon auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

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Ethik ist etwas sehr Menschliches und man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Human Centric Design“, das jeder AI Programmierung zugrunde liegen sollte. Denn dass von Menschen gemachten Maschinen und Alogrithmen auch nichts Menschliche fremd sein wird – inklusive des menschlichen Irrtums -, liegt zwar irgendwie auf der Hand, ist aber trotzdem nicht immer so offensichtlich. So kann beispielsweise ein Vorurteil eines Programmieres eines Chatbots auch dazu führen, dass die Maschine dieses übernimmt. Wenn also sagen wir mal eine Personalabteilung die Auswahl von Kandidat*innen einem AI Algorithmus überlässt, der seitens des Programmierers eine Benachteiligung oder Präferenz von Frauen oder Männern, bestimmten Rassen u.ä. enthält, wird dies in Folge auch zu einer automatisierten Diskriminierung führen.

Recht neu ist dabei die Erkenntnis, dass Maschinen auch von ganz allein Vorurteile „erlernen“ können, wie eine Untersuchung von Forschern der Universität Cardiff zeigt.

So vielversprechend diese neue Technologie ist, so wichtig ist auch die Diskussion darüber, unter welchen Bedingungen sie zum Einsatz kommen kann, um das Ziel des am Menschen orientierten Designs niemals aus den Augen zu verlieren.

Das war auch am Microsoft Data Center Summit ein großes Thema, das von Futurezone Redakteurin Barbara Wimmer in folgenden Tweet bzw. Artikel verpackt wurde:

 

Die Roboter kommen…

Über die Weihnachtsfeiertage bin ich auf folgenden – sehr lesenswerten – NYT Online Artikel gestoßen: The Robots Are Coming, and Sweden Is Fine. Die zentrale Frage, der hier nachgegangen wird, ist, warum gerade die Schweden so wenig Angst vor den Robotern haben, wenn es um ihre Arbeitsplätze geht.  

AI-NYT-Article

NYT Artikel, Online 27.12.2017

Die Autoren beziehen sich darin auf eine EU-28 Eurobarometer Studie, die im May 2017 publiziert wurde: Attitudes towards the impact of digitisation and automation on daily life. Darin wurden in allen EU Staaten neben der grundsätzlichen Einstellung zu Innovation auch die Erwartungshaltung zum Thema Künstliche Intelligenz und Automatisierung abgefragt.

In Österreich überwiegt zwar mit 55% Zustimmung die positive Sicht dazu, bleibt dabei allerdings deutlich unter dem EU Schnitt (61%). Während Skandinavien wie so oft in derartigen Rankings, wo es um Innovationsfähigkeit und Mut zur Veränderung geht, das Spitzenfeld abbildet.  

EU28-Studie-QD10

Die Studie verweist dabei auf den leicht nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Informationsgrad und Zustimmung. Das heißt, umso besser Menschen über neue Technologien informiert sind oder diese auch bereits nutzen, umso mehr haben sie auch eine positive Meinung und fassen Vertrauen dazu. Indirekt wird daher vielleicht dieser Blogbeitrag auch etwas positives bewirken können…

Ich kann das aber auch gut am eigenen Beispiel nachvollziehen: So besitze ich beispielsweise seit Weihnachten einen dieser intelligenten Lautsprecher, die man per Sprache („Echo, spiele Jazz“, „Echo, wie wird das Wetter morgen“, etc.) bedienen kann, mache meine ersten Erfahrungen damit, sehe auch, wie die künstliche Intelligenz der Maschine meine Kommandos immer besser umsetzt, wie selbstbewusst meine kleine Tochter damit umgeht, wie sie sich um eine besonders deutliche Aussprache bemüht, um verstanden zu werden – und merke, wie sehr sich meine eigene Sichtweise zum „Spion im Wohnzimmer“ ins Positive gedreht hat.

In der EU-Studie ist der Unterschied bei der Zustimmung zwischen den Befragten, die in den letzten 12 Monaten irgendetwas zum Thema Künstliche Intelligenz gelesen oder gehört haben und denen, die nichts dazu vernommen haben, dann auch entsprechend hoch (75% vs. 49%).    

Aber wieder zurück zum NYT Artikel, denn hier findet sich am Beispiel Schwedens ein weiterer wesentlicher Anhaltspunkt für die europaweit unterschiedlichen Sichtweisen auf das Thema Roboter bzw. Arbeitsautomatisierung: 

Und zwar der Zusammenhang zum Thema Sozialsystem bzw. soziale Absicherung!

Am Beispiel eines schwedischen Untertagebaus wird klar, dass schmutzige und schwierige Arbeit, die gesundheitliche Langzeitfolgen haben kann (Staublunge, etc.) auch gut von Maschinen übernommen werden kann. Damit werden zum einen langfristige Folgekosten für das Sozialsystem verringert. Die Arbeiter fühlen sich andererseits aber auch vom Unternehmen wie auch vom staatlichen Sozialsystem her gut abgesichert und sehen die Automatisierung generell positiv. „There will always be other work tasks“ sagt der Arbeiter, der die Vortriebs-Maschine aus einem Raum per Joystick steuert, und schließt mit „Die Company wird schon auf uns schauen“.

Der letzte Satz macht auch deutlich, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmen und Mitarbeiter speziell in diesem Fall wohl auch eine deutlich höhere Qualität aufweist als in klassischen „hire&fire“ Strukturen, wo es ausschließlich um den Profit geht.

Und darin liegt wohl auch der Knackpunkt. Selbst der Gewerkschafter des Betriebes erklärt dazu sehr pointiert:

Ich fürchte mich nicht vor neuer Technologie. Ich fürchte mich vor alter Technologie!

Und weiter, im Hinblick auf das Angebot für ständige Weiterbildung

Wir schützen keine Jobs. Wir schützen die Arbeiter.

Das macht sehr deutlich, dass eine gute soziale Absicherung auch gut für die Innovationsfähigkeit und das Unternehmertum eines Landes ist. Oder anders ausgedrückt: wenn die Wirtschaft wirklich auch für die Menschen da ist, hat das auch positive Rückeffekte auf die Wirtschaft und den Standort. 

 

 

 

Mixed ist das neue Virtuell

Ich habe in diesem Blog schon oft über die HoloLens berichtet. Die Datenbrille erzeugt eine Mischung zwischen Realität und Virtualität, daher sprechen wir hier von „Mixed Reality“ und nicht „Virtual Reality“ wie bei anderen Datenbrillen. Die Vorteile bei ersterem liegen auf der Hand, da ich meine reale Umgebung mit digitalen Elementen anreichern kann und nicht wie in VR Umgebungen komplett von der Außenwelt abgeschottet bleibe. Und daraus ergeben sich tolle Szenarien, die vor allem im B2B bzw. Industriebereich nicht nur die Phantasie von Instandhaltern und Wartungsdienstleistern anregen.

Die Kollegen von Microsoft Deutschland haben anlässlich der deutschen Partnerkonferenz einige inspirierende Mixed Reality Showcases zusammengetragen, die ich hier gerne wiedergebe.

Büroeinrichtung per Hologramm mit medialesson und Steelcase
Für den internationalen Hersteller von Büroeinrichtungen und Raumlösungen Steelcase setzte medialesson einen Mixed Reality Showcase mit Microsoft HoloLens um. In diesem Szenario ist es möglich, Steelcase-Möbel aus dem Produktsortiment in beliebigen realen Räumen als Hologramme zu platzieren und sich einen wirklichkeitsnahen Eindruck der Einrichtung beispielsweise im zukünftigen Büro zu verschaffen. Microsoft HoloLens erweitert hierbei die realen visuellen Eindrücke des Anwenders durch ergänzte 3D-Objekte mit hoher realistischer Anmutung. Wie das genau funktioniert, erklärt Carsten Humm, Chief Technology Officer bei medialesson, im Interview:

Per Microsoft HoloLens zur Offshore-Plattform reisen
Ressourcen sparen heißt auch, aufwendige Sicherheitstrainings und Reisen anhand von Technologien effizienter zu gestalten: Das Leipziger Start-up VR Bits hat gemeinsam mit der Agentur die wegmeister aus Stuttgart ein Konzept für Augmented- und Virtual-Reality-Inhalte auf der Basis von Microsoft HoloLens entwickelt. Auf der #DPK17 war eine Anwendung für den Übertragungsnetzbetreiber TenneT zu sehen, mit denen Besucher über VR-Brillen auf die Offshore-Konverterplattform HelWin alpha gebracht werden. Dabei erleben sie den Anflug auf die Plattform, haben die Möglichkeit, sich in verschiedenen Strom-Umspannräumen umzusehen und einen Blick über die Reling auf die tobende See zu werfen.


Verbesserte Zusammenarbeit im Anlagenbau mit Mixed Reality
Planungsvorhaben im Anlagenbau zeichnen sich durch große Dimensionen und Datenmengen, viele Beteiligte an verschiedenen Standorten und eine sehr komplexe Informationsvielfalt aus. Die Nutzung von Microsoft HoloLens bietet deshalb eine Möglichkeit, diese Prozesse zu vereinfachen. Die Einsatzszenarien erstrecken sich dabei von der Kundenberatung, über den Austausch im Konstruktions- und Montageprozess, bis zur Koordinierung und Überwachung des Bauprojektes. Der Shared Modus – eine Avatarfunktion – von S.K.M Informatik bietet für alle Beteiligten eine völlig neue Möglichkeit der Zusammenarbeit. Bauliche Gegebenheiten vor Ort können mit den virtuellen Planungsdaten gemischt werden und Planungsfehler sind so frühzeitig erkennbar und vermeidbar. Zudem können komplexe Zusammenhänge erlebbar, in einem anschaulichen und begehbaren Modell dargestellt und diskutiert werden. Somit entsteht eine ganz neue Art der virtuellen Erfahrung in realen Räumlichkeiten. Die Microsoft HoloLens Technologie ermöglicht damit eine durchgängige digitale Kette von den ersten Planungen bis zur Projektausführung.

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Apropos: Die HoloLens wird ab 1.12. auch in Österreich zu bestellen sein. Vorbestellungen sind seit einigen Tagen möglich. Mehr dazu hier.