Vertrauen verpflichtet – auch digital

Hier einige Highlights vom Arbeitskreis bei den Alpbacher Wirtschaftgesprächen (siehe mein voriger blog post):

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Die Diskussion im Arbeitskreis 07, sehr fachkundig und lebendig von Kurier Digital-Ressortleiter und Fachbuchautor Gerald Reischl moderiert, ging oftmals inhaltlich sehr in die Tiefe. Die Diskutanten – und auch das Publikum – behandelten dabei einen breiten Themenbogen. Dieser reichte von Gesundheitsdaten im Internet, dem Vertrauen in private und öffentliche Anbieter über Daten-schnüffelnde Chefs, fehlendes Sicherheitsbewusstsein bis zu möglichen neuen Geschäftsmodellen.

Die Juristin und Projektmanagerin bei der ARGE ELGA Theresa Philippi definierte „Vertrauen“ einprägsam als einen „bewussten Kontrollverzicht in der Hoffnung auf die Respektierung und Erfüllung eigener Bedürfnisse durch andere“. Und grenzte dabei ganz klar zu “Kontrollverlust” ab. Auf die aktuelle Entwicklung in Bezug auf e-health verwies sie auf die notwendige Vertrauens-Bildung nicht nur bei Ärzten und Patienten, sondern auch zwischen den beteiligten Institutionen Bund, Länder, Sozialversicherungen. Interessanter Punkt dabei: Viele Nutzer geben heute privaten Anbietern im Internet freiwillig mehr bekannt als eine staatlich eingerichtete Gesundheitsakte je umfassen würde.

Vertrauen im Internet lässt sich aber auch durch legale Content-Angebote schaffen. Flimmit-Geschäftsführerin Karin Haager, die auf ihrer Plattform u.a. europäische Independent-Filme zugänglich macht, die man in keiner Videothek findet, betonte in Bezug auf Urheberrechte: „Der Urheber kann kein Freiwild sein; wenn Inhalte nicht geschützt werden, wird es sie irgendwann nicht mehr geben“. Sie räumt ein: „Wenn die User uns bestimmte Daten nicht angeben wollen, weiß man als Anbieter auch nicht, was man ihnen empfehlen soll.“

Mein Kollege Gerhard Göschl forderte zu (mehr) Alphabetisierungskampagnen in punkto Sicherheit– gerade für Schüler und Jugendliche – auf, damit diese mögliche Gefahren im Internet erkennen können. Verkehrserziehung in der realen Welt sei selbstverständlich, beim Datenverkehr stecke sie jedoch noch in den Kinderschuhen. Er meinte auch, dass in Zukunft Zertifikate an Bedeutung bei der Auswahl von Inhalten durch die Nutzer gewinnen werden.

Rechtsexperte Prof. Nikolaus Forgo erwartete sich für das Internet im Jahr 2012/15 eine „spannende Welt mit vielen neuen Nutzungsformen“; er sieht aber auch die Gefahr auf uns zukommen, dass das Recht in diesen Entwicklungen an den Rand gedrängt wird.

Heinz Wittenbrink meinte dann abschließend: Das Internet basiert auf Innovationen, und die lassen sich nicht voraussagen.“ Die Verbindung von analoger/realer und digitaler Welt werde aber jedenfalls zunehmen. Die Leute müssen lernen, sich in der digitalen Welt auszudrücken. Und damit werden Medien- und IT-Kompetenz immer wichtiger.

Technorati Tags: Alpbach,Alpbacher Wirtschaftsgespräche,Arbeitskreis,Vertrauen,Trust,Online Safety,Privacy,Rechtsinformatik,Medienkompetenz

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