Vertrauen muss verdient werden

“Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang.“
(Kometenlied, Johann Nestroy, April 1833)

Seit den Zeiten der Aufklärung hat noch jeder technologische Wandel seine Kritiker gefunden. Das ist völlig normal und auch gut so. Denn egal ob es um den Webstuhl, die Dampfmaschine, die Eisenbahn, die Elektrizität oder das Internet geht – die Veränderungen auf die Welt, die uns umgibt, auf die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik waren und sind immens. Und in der Vergangenheit oft über Zeitspannen, die für die Dauer eines Menschenlebens alleine kaum zu übersehen waren.

Nun, heute im Internetzeitalter geht´s viel rascher voran. Der PC ist gerade mal 40 Jahre alt, das Internet ist 20 geworden und die Social Media Revolution ist etwas über 10 Jahre alt. Aber das ist alles nichts gegen die Datenrevolution, die derzeit im Gange ist:

90% aller Daten auf der Welt sind in den letzten zwei Jahren entstanden
(Quelle und Infografik: vouchercloud.de)

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Das sind Beschleunigungskräfte, die man durchaus als “unmenschlich” bezeichnen kann. Wie sollen wir damit sinnvoll umgehen? Werden uns die Dinge entgleiten? Müssen wir davor Angst haben?

Jetzt kann man natürlich sagen, dass es diese Art von Befürchtungen entlang der Geschichte technologischer Innovationen immer wieder gab. So beispielsweise die Legende der “Eisenbahnkrankheit”: Anlässlich der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Nürnberg-Fürth im Jahre 1835 glaubten Kritiker, dass der menschliche Körper keine Geschwindigkeit über ~30 km/h aushalten könnte (“Delirium Furiosum”) oder gar in der Durchfahrt von Tunneln zerplatzen könnte. Oder die noch um 1890 in Medizinjournalen verbreiteten Ängste, dass Elektrizität schwere Nervenkrankheiten auslösen könnte.

Im weisen Blick zurück auf die Geschichte wissen wir, dass die damaligen Sorgen weitgehend unbegründet waren. Trotzdem war der Diskurs darüber wichtig und das heutige Vertrauen in inzwischen arrivierte Technologien wurde dadurch erst erworben. Und das verhält sich gegenüber heutigen Entwicklungen wie Cloud Computing, Big Data und dem Internet der Dinge ebenso.

Heute sind es Fragen wie “Wo liegen meine Daten” , Wer hat Zugriff auf meine Daten” oder auch Werden wir zu gläsernen Konsumenten?”, die viele Menschen beschäftigen. Kompliziert wird es dabei vor allem durch den Umstand, dass Daten – insbesondere personenbezogene – immer mehr zum Wirtschaftsgut mutieren. Dies in der Regel mit Zustimmung des Anwenders (über einen Klick zur Nutzung kostenloser Internetdienste und Plattformen wie Facebook, Google & Co) aber oft ohne den Überblick, was in Folge damit passiert. Die Folge sind Vertrauensverluste und das Gefühl irgendwie gefangen zu sein zwischen der Leimrute kostenloser Webanwendungen und dem Preis, der dafür zu bezahlen ist: die persönlichen Daten.

Daten sind das neue Öl, Daten werden zur Währung

Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden. Aber die mangelnde Transparenz dabei und ein Rechtsrahmen, der zu einer Zeit konzipiert wurde, als es die Internetdienste und social media Plattformen von heute noch gar nicht gab und auch der heute stattfindende exzessive globale Datenverkehr kaum mehr als zu erahnen war, machen es weder dem Einzelnen leicht, Vertrauen zu den neuen Technologien aufzubauen, noch der Wirtschaft einfach, innovative und profitable Dienste zu betreiben.

Der heutige Schritt von Microsoft

Während der Diskurs dazu andauert und auch der Rechtsrahmen für den globalen Datenverkehr (beginnend mit Safe Harbour II, nachdem die USA nicht mehr uneingeschränkt als “sicherer Hafen” für EU Daten gilt) noch vieler politischer Anstrengungen bedarf, hat Microsoft heute als einer der weltweit größten Cloud Anbieter einen wichtigen Schritt in Richtung Vertrauensbildung und Verbreiterung von Auswahlalternativen getan. Ab Sommer 2016 kann jeder Kunde innerhalb der EU/EFTA seine Daten wahlfrei auf rein deutsche Microsoft Rechenzentren speichern. Der Zugriff auf die Daten wird dabei ausnahmslos von einem Daten-Treuhänder (die Deutsche Telekom Tochter T-Systems) geregelt. Selbst Microsoft hat keinen alternativen Zugriff auf Kundendaten – und könnte damit auch nicht von US Behörden oder Geheimdiensten über US Rechtsbestimmungen dazu gezwungen werden.

Das ist eine ziemlich innovative rechtliche Konstruktion, die vor dem Hintergrund der Aufhebung von Safe-Harbour zur rechten Zeit kommt. Auch wenn Microsoft EU Kundendaten schon heute nur in EU-Rechenzentren nach EU-Datenschutzrichtlinien speichert, ist das für besonders schützenswerte Daten eine sinnvolle Alternative. So können Kunden beispielsweise innerhalb eines “hybrid cloud scenarios” entscheiden, weniger sensible Daten wie reine Produktions- oder Nutzdaten in der kostengünstigen public cloud zu speichern, jedoch personenbezogene Kundendaten in der deutschen Cloud zu halten.

Wege entstehen im Gehen. Ich denke, der heute angekündigte Schritt führt in die richtige Richtung, – am Weg zu vertrauenswürdigen und sicheren Webdiensten, der vermutlich auch alle anderen Anbietern von Cloud Diensten in entsprechenden Zugzwang bringen wird. Und das ist gut so.

Hier ein Video dazu:

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